Haeusliches
Warten, warten, warten! Es raubt einem den Nerv. Meine Papiere, die per Eilboten aus Deutschland abgeschickt wurden, sind immer noch nicht da. wir muessen anschliessend damit zur deutschen Botschaft (zweimal: Einmal die Beglaubigung beantragen, Antraege natuerlich nur nach Terminvereinbarung), dann abholen, dann damit zum Standesamt. Inzwischen laeuft mein Rueckreiseticket ab, das muss um vier bis sechs Wochen verlaengert werden, dann laeuft aber auch mein Visum ab, und ich muss eine Aufenthaltsgenehmigung beantragen, aber bis dahin ist dann auch noch das Geld alle. Analyn ist kurz vor der Deutschpruefung, wir haben zusammen viel gebueffelt, es muss hier und da noch am Schriftlichen gefeilt werden (selbst formulierter Text, Brief oder Aufsatz) - alles zusammen ist sehr belastend. Inzwischen wird geputzt, gekocht, Waesche gewaschen. Die Hauswirtin hat uns vorgeschlagen, fuer die gleiche Miete (7500 Pesos) in ein anderes Zimmer zu ziehen. Das haben wir besichtigt: ein fensterloses Loch mit feuchter Luft, aber einer Dusche, in der man stehen konnte. Zutrauliche Kakerlaken, die nicht abhauen, wenn man ihnen begegnet, das gleiche harte Gefaengnisbett mit Sperrholzmatratze, das Ganze muffg und ohne Licht, kochen in der Gemeinschaftskueche, Waschbecken, in dem Huehner gereinigt und Waesche gewaschen (bzw wingeweicht) wird - diese Kueche ist im Treppenhaus, wir kommen jeden Tag da durch. Das Haus besteht aus zahlreichen verwinkelten Ecken und Verschlaegen. Ich schaetze, dass mindestens dreissig, vierzig Menschen in dem Gebaeude hausen - ich habe noch nicht alle gesehen. Wir haben uns gegen dieses "bessere" (weil lichtlose) Zimmer verwehrt und erklaert, wir haetten uns an die luftige und sonnige Hoehe mit den vielen Fenstern gewoehnt. Unser Kakerlak ist sehr freundlich und versteckt sich meist, vom Gecko haben wir auch nacghricht: Die Katze (die gestern den ganzen Tag bei uns war, weil es so schoen nach Pilapia-Fisch duftete) hat die Spuren entdeckt: An einer mit Honig bestrichenen Pappe, die dem Ameisenfang dient, klebten zwei Gecko-Babys, eins davon durch Ameisen filigran skelettiert, das andere mit feigelegten Brustknochen, aber noch lebend. Darum hat sich die Katze gekuemmert. Die Geckomutter liegt wohl irgendwo in der Ecke und trauert.
Und wir warten, warten, warten.
Und wir warten, warten, warten.
buecherdidi - 16. Apr, 04:57