6
Apr
2009

Einkaufen

Hier ist fast alles billiger als in Europa, die Leute verdienen ja auch erheblich weniger. Was auffaellt, ist das erheblich groessere Angebot, die Vielfalt. Dieser Ideenreichtum, der dahintersteckt, kann nur daran liegen, dass die einschraenkenden Normen der EU hier nicht existieren - jeder kann anbieten, was er verkaufen zu koennen meint. Allein bei den Lebensmitteln: wenn ich mir ansehe, dass ich hier zwischen zwanzig verschiedenen Sorten Bananen waehlen kann und in Europa nur zwei oder drei Sorten (mit US-Aufklebern dazu) zur Wahl habe, frage ich mich nach dem Warum. Schmuck, Elektroartikel, Bastelware (wie Blumengestecke), Werkzeuge - letztendlich mag nicht alles perfekt und sicher sein, aber ich habe hier als Kunde immerhin die Wahl und bin nicht auf eine Norm angewiesen.
Ein Problem ist allerdings, dass ich hier in den Geschaeften immer sofort von Verkaefern umringt bin, die diesen oder jenen Gegenstand anpreisen. Als wir uns Geschirr angeschaut haben, waren sofort Leute um uns - der eine kann uns etwas Huebscheres oder Dauerhafteres zeigen, der Andere weiss etwas Preisguenstigeres, und wenn wir dieselbe Ware von einer dritten Person aufschreiben lassen und mit seinem (ihrem) Zettel an die Kasse gehen, bekommen wir zehn, zwanzig Prozent Rabatt. Etwas in Ruhe anzusehen und durch verschiedene Geschaefte zu gehen, um zu vergleichen, erfordert ein hohes Mass an Neinsagenkoennen. Ich vermute, die Verkaueferinnen haben einen geringen Lohn plus Provision. Auf den Quittiungen, die man zum Umtausch braucht, steht auch immer der Name.
Steht keine Verkaeuferin zur Verfuegung, rueckt einem ein uniformierter Wachtposten auf die Pelle, egal ob man Babykleidung, Kinderwagen, Geschirr oder Lebensmittel ausfuehrlich betrachtet. Wachtposten in ihren strahlend weissen Uniformhemden sind ueberall. Betritt man ein Einkaufszentrum, Kaufhaus, Kino, Hotel usw., wird man erst einmal durchleuchtet und zeigt seine Taschen. Innerhalb eines Einkaufszentrums hat jeder Laden nochmal extra Posten. Verlaesst man das Gebaeude, wird man wieder kontrolliert. Auch in Parks, an Bushaltestellen, in oeffenlichen Gebaeden, beim Friseur - uneberall sind Posten. Meine Fragen danach werden mit Hinweisen auf Terroristen beantwortet. Auf der Suedinsel Mindanao, geschaetzte 2000 Kilometer von hier, hat es letzte Woche wieder einen Bombenanschlag gegeben. Die Bewachung in allen Staedten scheinen die Menschen als positiv anzusehen: Das ist halt "Security". Die posten, die uns haefig kontrollieren, z.B. wenn wir zum Internetshop gehen, gruessen uns mittlerweile.

5
Apr
2009

Der Alltag kehrt ein

Allmaehlich haben wir uns richtig eingerichtet - heute (es ist Sonntag, und das heisst, dass die Laeden und Maerkte besonders voll sind, und es gibt auch mehr Angebot, dazu auf viele Dinge Rabatt) haben wir uns eine Elektrokochplatte fuer umgerechnet 7,50 Euro gekauft, dazu einen Kochtopf und Essschuesseln. Teller, Besteck, Tassen und Glaeser haben wir bereits. Nun koennen wir zu Hause kochen und muessen nicht mehr fuer jede Mahlzeit ausgehen, was vor allem Zeit spart. Ich habe ja Arbeit mitgenommen und habe bisher nur zwei Stunden (ab etwa 5 - 6 Uhr frueh) am Tag geschuftet. Und billiger ist es ausserdem, wir koennen mehr Gemuese essen (In den "Gaststaetten" gibt es ueberwiegend Fleisch- und Fischgerichte ohne Gruenzeug). Zwar zahlen wir fuer eine gute Mahlzeit in kleinen Restaurants (keine Strassenkueche) fuer zwei Personen in der Regel weniger als vier Euro inklusive Getraenke, aber das kommt einem dann schon edel und teuer vor. Das Selbst-Aussuchen und die haeusliche Atmosphaere ist uns das wichtigste.
Nun habe ich auch erste Gesundheitsproblemchen hinter mir - die Mueckenstiche (von riesigen Viechern) verheilen langsam, nachdem ich in der Apoheke eine spezielle Salbe gekauft habe, und zwei gewaltige Flohbiss-Bahnen quer ueber beide Fuesse gehen auch zurueck. An einem dieser Bisse war eine riesige Blase entstanden, die ich nicht aufzustechen gewagt habe, weil direkt darunter eine dicke blaue Ader liegt, die bereits stark angeschwollen war. Habe alles in Jod-Tinktur ertraenkt und zugepflastert. Inzwischen arbeiten auch unsere Insektenvernichter (eine grosse Kuechenschabe und ein Gecko, so eine Art gelbgruene Eidechse, die an den Waenden herumklettert) recht zuverlaessig, es wagen sich kaum Muecken herein, und die Ameisen haben wir ausquartiert, indem wir den Abfalleimer auf dem Balkon deponiert haben.
Gestern haben wir einen schoenen Ausflug in einen Park gemacht, mit riesigen alten Mahagoni-Bauemen und anderen Tropenhoelzern, und es gab dort einen kleinen Zoo mit seltenen einheimischen Tieren, Suesswasserkrokodile, Papageien, diverse Greifvoegel, niedliche Aeffchen und so weiter - allesamt vom Zoll bei der Ausreise von Auslaendern konfisziert. Eine ansehnliche Sammlung. Es war ein schwuelheisser Tag, es hatte morgens geregnet, die Luft passte zu den triefenden Pflanzen. Beeindruckend: das tiefe Halbdunkel unter den Baeumen. Ueberall Familien mit mehreren Kindern, die einfach auf dem Gehweg picknicken.
Auf dem Rueckweg (zum ersten Mal im Leben habe ich dabei zweimal acht Fahspuren einer verkehrsreichen Schnellstrasse zu Fuss ueberquert, um auf der anderen Seite ein Taxi zu ergattern) habe ich aus dem Wagen heraus fotografiert: Hochhausruinen, die im Bau bereits wieder verwittern, Strassenszenen, Verkehrsdichte... In "unserem" Internet-Shop um die Ecke dann die grosse Ueberraschung: Die Abrechnung vom "Diesel"-Buch ist deutlich geringer, als erwartet. Ich muss mich mit allem anderen sputen, damitvon irgendwo her noch Geld kommt - das, was ich habe, wird gerade fuer die Vielfalt an Gebuehren, die noch auf uns zukommen (Heiratserlaubnis, Aufgebot, Standesamt, Uebersetzung der Papiere, Beglaubigungen, Visa-Antrag, Visa-Erteilung...) reichen (besonders die deuschen Behoerden sind da nicht zimperlich), und dann ist's Essig. Die Fahrt nach Norden ans Meer muss ausfallen, schade, ich haette doch gern meine Schwiegermutter mal kennengelernt... Na, unter diesem Druck sitze ich im Moment an einem besonders schoenen Expose, dessen Geschichte natuerlich hier spielt.

1
Apr
2009

ausgefuellt

Morgens wache ich nicht mehr vom Hahnenschrei auf oder vom Glockengelaeut (die Kirche heisst uebrigens korrekt: St. Peter's Parish Church), sondern vom Morgenlicht, und wenn ich die Augen aufmache, ist das Profil eines lieben Gesichts direkt vor mir. Vorsichtig schleiche ich von der Matratze, um mich an den Tisch zu setzen und ein wenig zu schtreiben - zwei Morgenstunden habe ich in der Regel Zeit - da schlingt sich ein brauner Arm um mich und zieht mich heran...
Heute allerdings mussten wir frueh los. Um acht Uhr waren wir vor einer Kirche verabredet, einem modernen Prachtbau an "unserer" Schnellstrasse, abgesichert mit Mauern, Stacheldraht und Wachtposten: das Hauptquartier einer Art Sekte. Bis hierher waren wir mit dem Jeepney gekommen, aber nun hielt ein klimatisierter weisser Wagen mit getoenten Scheiben vor uns. Der Fahrer war Analyns Onkel, der Beifahrer sein Chef, einer der Kirchenbosse. Es gibng quer durch die Stadt, ueber eine "saubere" Autobahn, auf der nur Privatfahrzeuge ohne Qualmwolke am Auspuff fahren durfte, in einen Vorort (Westen? Suedosten? Ich erinnere mich nur an einen Ortsnamen, den wir passierten: Valenzuela. Niedrige Haueser, enge Strassen, noch nicht das platte Land. In einer kleinen Strasse betraten wir einen Juwelierladen mit zwei Wachtposten an der Tuer. der Boss verschwand in der ersten Etage, der Onkel machte uns mit seinem Sohn "Rolly" bekannt, der liess uns ein phlippinisches Porridge servieren (sehr koestlich!), es gab Kaffee, Infos ueber die Kirche und ihre Verbreitung, erfahrungsaustausch ueber Multilevel-Marketing, ich bekam zwei Paeckchen Gesundheitskaffee geschenkt, Rolly lud uns zu sich nach Hause zum Mittagessen ein, er selbst hatte keine Zeit, mitzukommen. Dann bekamen wir Eheringe praesentiert und konten aussuchen - die Beratung war wirklich grossartig. Dnn fuhren wir - immer nebenstreckiger - in einen noch kleineren Vorort, es gab schon vereinzelt Wiesen, Bananenstauden, Mangobaeume, Vorgaerten, schorene Haeuser, Bruchbuden, gemischtes "Gewerbe": Die Fahrt mit dem "Tricicle", einem Moped mit ueberdachtem Beiwagen, in den wir uns zu zweit quetschten, war schon abenteuerlich. Dann: ein enges, aber schoenes, sauberes, modernes Einfamilienreihenhaus, begruesst von "Rolly"s Frau, die uns eine herrliche Suppe mit diversen Gemuesen und Garnelen machte und dann ihr Hochzeitskleid vorfuehrte, das wir uns dann ausliehen - also, an einem Tag gleich fuer Eheringe und Hochzeitskleid und eventuell Gaeste gesorgt. Der kleine Sohn, 28 Monate alt, ist sehr munter und ausgesprochen intelligent. Eine idyllische Mittelstandsfamilie.
Zurueck mit Tricicle, Jeepney und Kleinbus, Drei Stunden Weg fuer rund fuenfzig Kilometer abenteuerlichsten Stadtverkehrs. Im Jeepney sass ich in der Mitte, so dass ich es war, der dem Fahrer das Geld der Leute bei halsbrecherischer Fahrt ueber die Schulter reichte und das Wechselgeld zurueckwandern liess. Jetzt schleppen wir uns die letzten fuenfhundert Meter muede nach Hause, in der Hoffnung, es wird Wasser zum Duschen da sein. Diese ewige Wasserabstellerei geht auf die Nerven - sie ist hausintern, und bei Beschwerden wird wieder eingeschltet. Gestern habe ich Trinkwasser in Fuenfliterkanistern demonstrativ von der Konkurrenz geholt und ins Haus geschleppt. Unser Gecko ist ach ein Faulpelz. statt die Ameisen zu fressen, hat er zugesehen, wie die Mistviecher meine lezten Haribos verschlungen haben, und irgendein unbekannter Mitbewohner frisst seit ein psaar Tagen immer die Ecken vom Knaeckebrot rund.
Bis bald!

29
Mrz
2009

Rechtschreibfehler und Pheromone

Verdammt, jetzt habe ich alles geloescht. Nochmal in Kuerze: Die Rechtschreibfehler in diesem Blog kommen daher, dass die Tastatur voellig anders ist, aber auch, weil mir die jungen Maedchen auf den Pelz ruecken, die unbedingt sehen wollen, wie ein Auslaender in dieser merkwuerdigen Sprache schreibt. Es heisst einfach:Hello Sir, und dann bleiben sie stehen, bilden hinter mir eine Traube. Das Ever Gotesco Commonwealth mit seinen 30 Fastfood/Staenden, zahllosen Kosmetik-, Schmuck- und Teeniebekleidungslaeden, Kinos, Eisdielen usw. ist auf Jugend zugeschnitten, wobei die Jugend hier auch noch kleiner und schmaechtiger ist als bei uns. Uerberhaupt: Auf den Philippinen ueberwiegt die juengere Generation, und davon sind zwei Drittel weiblich. Der Kinderreichtum ist unglaublich, und dementsprechend ist das Angebot in den Geschaeften. In der Menschenmenge ist die ueberwiegende Farbe Pink in allen Schattierungen. So, ich muss aufhoeren, die Luft um mich herum ist vor lauter Pheromonen kaum noch atembar. Hello Sir, Goodbye Sir, see you, Sir.
Im Untergeschoss haelt meine Liebste einen Schwatz mit ihrer Schwester (uebrigens, den inneren Zusammenhang zwischen Schwatz, Spatz und Schatz ist noch nicht ganz verinnerlicht. Welche Konjugation ist das eigentlich? Und wird das in der Pruefung gefragt?).

27
Mrz
2009

Neuer Morgen

Laengst ist mir das Zeitgefuehl verloren gegangen, mir ist, als waere ich schon ewig hier. Diese kleine Talsenke zwischen Petersdom (heisst tatsaechlich so und ist sogar eine der Sehenswuerdigkeiten der Metropole) im Osten (? - spaetestens um 6 Uhr frueh ist der Smog so weit gediehen, dass man nicht weiss, aus welcher Richtung das Sonnenlicht kommt, und erst gestern habe ich nach einem Gewitter entdeckt, dass diese Stadt Quezon, die zu Manila gehoert, von einer niederen, aber zackigen Berglandschaft umgeben ist), einem mir noch unbekannten Viertel im Westen und dem Ever-Gotesco Commonwealth im Sueden ist fast schon zur Heimat geworden. Wie so viele Wohngegenden in Manila ist auch diese fest eingezauent, am Eingang von der Hauptstrasse her ist eine Kontrollstelle, an der jeder fremde seinen Ausweis zeigenmuss- ohnedem kein Einlass. Morgens wachen wr auf vom Ruf der Haehne und Laerm der hunde, dem Scheppern der Glocken und dem Fruegebet im Dom, dann rollt ploetzlich der Laerm von der Hauptstrasse herueber wie die rasende Fusswolke eines Atompilzes, und obwohl wir zur Strasse hin durch Dom und Hochhaeuser abgeschirmt sind, ist die Luft fuer den Rest des Tages erfuellt vom Rauschen und Hupen Hunderttausender von Autos. Urspruenglich wohl sechsspurig (pro seite) hat sich die Strasse von selbst erweitert, Gehwege und Mittelsttreifen sind plattgewalzt, die Autos rasen um die Wette, die Jeepneys, private Sammeltaxis, sogar buchstaeblich: Jeepneys fahren auf festen Strecken, und wer zuerst am naechsten Haltepunkt ist, bekommt die Beute (=Fahrgaeste).
Gesern sind wir mit einem in der "Stadt" gewesen, Cubao, einem Viertel, in dem sehr viel gebaut wird und in dem es zahrleiche Einkaufspassagen vom Billigstangebot bis zue edlen Markengeschaeften gibt. Auf der fast einstuendigen Fahrt mit dem Jeepney (ueber dieses Transportmittel schreibe ich in den naechsten Tagen gesondert etwas) kamen wir durch ein Slum-Viertel; ein Baustellen-Stau hielt uns sogar ein weilchen dort fest. Unfassbar, wie die Menschen hier hausen: durch eine Bretterwand, schraeg gestellt, erhaelt auch die letzte Bruchbude noch einen Anbau, in dem jemand wohnt. Ich habe Leute auf einem EWellblechdach gesehen, die sich dort hinter einer kaputten Leuchtreklame haueslich eingerichtet haben. Auf einem dicht bewohnten Gehweg ragt ein Wasserrohr aus dem Boden - ein etwa zehnjaeriger Junge fuellt dort leere Pepsi-Flaschen mit Wasser ab und verkauft sie an die Autofahrer im Stau, ein anderer Junge mit einem Korb sammelt Flaschen ein. Frauen und Kinder spazieren zwischen den Fahrspuren herum und verteilen Handzettel fuer Geschaefte, Veranstaltungen und Sekten.
Dieses Viertel hier habe ich liebgewonnen, unser Stuebchen mit Balkon ueber dem Wasserturm, wo wir abends gern sitzen, bis es dunkel ist Hier koente man heimisch werden, wenn man einige Improvisationen vornoimmt (kommt nicht von "improvisieren", sondern von "improvement" und ist die Hauptbeschaeftigung vieler Leute hier. Man muss hier sein Leben improvisieren.
Wenn wir vom Essen im nahen Shopping Center kommen und unser "Dorf" betreten, ist in den Bretterbudenlaeden am Eingang ueberall Licht, der Gehsteig ist belagert von Jungs, die am Boden liegen und das Fernsehprogramm am Bildschirm ueber der Theke einer Imbissstube verfolgen. Wir passen auf, dass wir nicht ueber eine der vielen Katzen stolpern (die hier magerer sind als anderswo und ganz spitze Koepfe haben), und dann kommtschon unser Turm in sicht, auf dessen Balkon sich so wundervoll liebe im Frien machen laesst...

25
Mrz
2009

Eine andere Welt

Unglaublich, was in den letzten zweieinhalb Tagen auf mich eingestuermt ist, ich hatte bereits beim Zwischenaufenthalt in Doha/Qatar viel geschrieben, aber nicht bedacht, dass ich nicht einfach aus einer Word-Datei auf dem Stick hier ins Blog uebertragen kann. Kommt dann spaeter mal.
In Manila erwartete mich Analyn nicht - sie steckte im Stau, der hier beschoenigend "traffic" heisst, und ich fand in meiner Hast ihre Nummer nicht gleich. Ein Sicherheitsbediensteter vom Flughafen liess mich von seinem Handy aus meinen Bruder in Deutschland anrufen, setzte seine Kollegen zu verschiedenen Aufgaben ein (im Telefonbuch nachschauen, sie ausrufen lassen, mich ueber ihre Heimatprovinz informieren: insgesamt kuemmerten sich fuenf Leute um mich, und als Analyn schliesslich eintraf, wollte ich wenigstens die Telefonate bezahlen, bot zwanzig Euro und erfuhr von den hocherfreuten Herrschaften, dass ich soeben eine richtige Fete spendiert hatte.
Dann die Taxifahrt: Kreuz und quer durch die Stadt, mit Koffer rauftragen und Weitertransport ins Hotel: Zu spaet merkten wir, dass uns der Taxifahrer in einem Stundenhotel abgeliefert hatte. Die rote Laterne ueber dem schwarzen Lederbett, der Riesenspiegel und die Fluktuation der Gaeste sagte alles. Fuer uns war dieses Missverstaendnis ein Riesenspass, wir genossen die verruchte Atmosphaere nd benahmen uns auch so (der Lederbezug ist der Laenge nach eingerissen). Nun sind wir in einem kleinen Apartment ueber einer Wasserstelle,wo man Regenwasser aus der Dachzisterne durch blosses Umfuellen in hochwertiges Mineralwasser verwandelt. Das ganze Haus ist so versifft, dass ich dort nichtmal was aus der Dose essen wuerde - wir geniessen aber die schoene Aussicht, essen ausser Haus und benutzen auch dortdie Toilette, lassen die Kakerlaken in Frieden, denn sie tun uns ja auch nichts. In drei Wochen ziehen wir um, bis dahin ist vorausbezahlt.
In der ganzen Stadt ist es unglaublich laut. Heute frueh wurden wir in dem eigentlich recht grossstaedtischen Viertel von mehreren Haehnen geweckt, und vom Gebell der Hunde, die sich darueber aufregten. Kaum hatten die sich beruhigt, ging die Kirche los: Uns gegenueber ist naemlich eine halb verrotete Petersdom-Imitation, ganz in Dieselgrauschwarz, mit blauem Neonkreuz auf der Kuppel und einer Glocke, die weder zaehlen kann noch je etwas von Wohlklang mitbekommen hat - wahrscheinlich eine zurechtgehaemmerte Karosserie vom nahen Schrottplatz. Dafuer droehnten die sechs-Uhr-Gebete wie aus den Tiefen der Hoelle.
Die erlebten wir dann, als wir rund 30 km durch morgendlichen Stadtverkehr mit ueberfuellten Jeepneys nach Makati fuhren, dem Edelviertel dieser riesigen Metropole. Da ist naemlich das Goethe-Institut. Wo sonst?

20
Mrz
2009

Noch drei Tage!

Langsam werde ich nervös. Ich warte noch auf zwei Urkunden, die von der philippinischen Botschaft in Berlin beglaubigt sein müssen. Ich habe sie im Original hingeschickt und noch nicht zurück. Hoffentlich sind sie übermorgen da, denn dan geht mein Flug!
Die Behörden legen einem allerdings Steine in den Weg, wo es nur geht, und sei es durch Verzögerung.
Dabei will ich einfach nur meine Liebste in die Arme nehmen!
Ich fürchte mich vor dem Flug. Ich werde in eine Monstermaschine steigen, Airbus nochundnoch, das größte Flugzeug, das es zur Zeit gibt. Vielleicht stürzt es über China ab, ich werde kurz aufwachen und mich flüchtig an mein abgebrochenes Sinologiestudium erinnern, das mir eh nichts genützt hat, da ich dadurch eh kein Chinese werden konnte, und im Traum stehen dreißig Chinesen um meinen offenen Sarg (mit einem Teil der Fetzen) und onanieren. Dürfen die das?
Ich werde lieber heil ankommen. Ich werde Analyn sehen, fühlen, lieben. Wir werden zuerst in einem Hotelzimmer wohnen und uns vielleicht das erste Mal im Leben zanken, weil ich mein Laptop dabei habe und mindestens zwei Stunden am Tag arbeiten muss. Wir werden Deutsch lernen, und ich ärgere mich, weil mir vom Goethe-Institut nach einem Download Materialien für rund 30 Euro angeboten wurden, die ich bereits besaß. Ich habe bestellt, gekauft, bezahlt und fühlte mich betrogen. Nun, wenn es Analyn hilft...
Überhaupt eine Schande, diese Deutschprüfung vor der Einreise. Ich habe so viele Leute in Deutsch unterrichtet - warum sollte ich meiner Frau nicht mein Muttersprache beibringen können. Aber Ausnahmen werden nicht gemacht.
Sehnsucht...
Bin gerade in angenehm melancholischer Stimmung und höre portugiesische Musik bei Youtube. "Una Casa Portuguesa" von Amalia kennt ja jeder, der sich mal mit Fado befasst hat, aber mein Tipp für alle Emos und sonstige Leute ist Mariza (in der Mitte betont und mit weichem S gesprochen): "Barco Negro" ist für mich zur Zeit das Größte, weil es genau die Gefühle und Ängste während unserer Trennung wiedergibt, und "Rosa Branca", weil es das Schönste ist, was Mariza zur Zeit zu bieten hat. Fado ist die Stimmung, die im Moment am ehesten auf mich zutrifft: "Saudade" - hoffnungsvolle Melancholie.

13
Mrz
2009

Es läuft gut

Die ganze Zeit standen mir bürokratische Hindernisse im Weg, von denen ich fürchtete, ich könnte sie bis nächste Woche nicht ausräumen. Morgen in einer Woche fliege ich ja schon! Aber in den letzten Tagen hat alles wunderbar geklappt: Vom philippinischen Konsulat in München bekam ich mein Visum für 59 Tage, es wurde auf die Übersetzung des Ehefähigkeitszeugnisses verzichtet (muss ich wahrscheinlich dann in Manila nachbesorgen), heute kamen vom Übersetzungsbüro meine Geburtsurkunde und mein Scheidungsurteil, gesiegelt vom Übersetzer, nachbeglaubigt vom Landgericht, und nun müssen die Papiere vom Konsulat überbeglaubigt werden. Mein Gott, was für ein Aufwand, und was für ein Wort! Ich habe dem Konsulat – diesmal ist Berlin zuständig – sofort alles per Einschreiben zugeschickt und hoffe, die Überbeglaubigungen und die Originaldokumente kommen rechtzeitig bis zu meiner Abreise. Samstag fliege ich los, Montag komme ich an.
Und dann 22 Stunden im Flugzeug! So lange kann niemand im "Spiegel" an einem Streifen lesen! Hoffentlich muss ich nicht zwischen zwei dicken Frauen sitzen, wie auf dem Zypern-Flug im letzen Sommer.
Mein Schatz holt mich am Flughafen ab. Sie wird sich in diesem halben Jahr der Trennung verändert haben, und vielleicht hat sie zu hohe Erwartungen, aber ihre Briefe sind voller Sehnsucht. Meine Gefühle auch.
Gerade höre ich bei Youtube Fado-Lieder: "Barco Negro" von Amalia und im Vergleich denselben Titel von Mariza. Unglaublich schön, beide Versionen, aber Mariza entspricht eher meiner Stimmung. Und von Mariza gibt es noch diesen wundervollen Titel "Rosa Branca". Den schau ich mir noch an, bevor ich schlafen gehe.
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